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Thomas Berscheid 9 Min.

Mit KI in die Rente: künstliche Intelligenz erweitert kreative Wertschöpfungskette

Gedanken von Thomas Berscheid zum Thema Film und KI

Das Wichtigste in Kürze

  • Künstliche Intelligenz verändert die Vorstellung vom Ruhestand grundlegend. Statt klassischer Rentenpläne eröffnet KI die Möglichkeit, kreative Prozesse vollständig selbst zu steuern – von der Idee über das Drehbuch bis hin zur filmischen Umsetzung. Die technische Basis dafür bildet eine leistungsstarke GPU, die lokale Sprachmodelle effizient betreiben kann.
  • Der Traum vom Musikerleben in Südfrankreich ist einer neuen Vision gewichen. Statt Bauernhof und Studioarbeit entsteht nun ein kreativer Alltag, in dem Schreiben, Musikproduktion und KI-gestützte Filmherstellung ineinandergreifen. Die Rente wird nicht als Rückzug, sondern als Startpunkt für neue Projekte verstanden.
  • Lokale KI ermöglicht eine vollständige kreative Wertschöpfungskette. Ohne Regisseur, Kamerateam oder Produktionsfirma lassen sich detaillierte Szenen, Atmosphären und Charaktere allein über Prompts erzeugen. Je präziser die Beschreibung, desto realistischer die resultierenden Bilder und Sequenzen.
  • Die Arbeit mit einem lokalen Modell schafft Freiheit ohne inhaltliche Einschränkungen. Anders als gehostete Dienste blockiert eine eigene KI keine Themen und erlaubt es, auch düstere oder komplexe Szenen künstlerisch auszuleuchten. Strom aus der Photovoltaik und einmalige Hardwarekosten machen das Modell langfristig unabhängig.
  • Die Zukunftsvision: ein kreativer Ruhestand voller Möglichkeiten. In wenigen Jahren könnte ein einzelner Mensch komplette Filme erschaffen – inklusive Drehbuch, Soundtrack, Dialogen und visueller Umsetzung. Die Rente wird so zum persönlichen Kreativlabor, in dem Ideen ohne Grenzen realisiert werden können.

Vorstellungen über die Zeit in der Rente

Wie stelle ich mir die Rente vor? Es sind ja nun nur noch etwas mehr als 6 Jahre, bis ich (wahrscheinlich) in Rente gehen kann. Vielleicht ist ja noch ein wenig Geld aus den geplünderten Rentenkasse übrig. Aus der privaten Vorsorge kommt wahrscheinlich mehr Geld. Aber reden wir über schöne Dinge und nicht über die Fleischbrocken, die in der Regierung rumhängen. Reden wir über das, was wir uns in ein paar Jahren vorstellen können. Denn in den vergangenen beiden Jahren haben sich ein paar Dinge grundlegend verändert, was meine Gedanken zum Thema Rente angeht. Und das hat etwas mit dem aktuellen Hype um die KI zu tun. Denn durch den Einsatz künstlicher Intelligenz kann man die kreative Wertschöpfungskette in einer Art erweitern, die vor Monaten noch undenkbar erschien.

Als Musiker und Millionär mit 30 in Südfrankreich in Rente gehen

Bislang dachte ich, wenn ich in Rente gehe, also früher dachte ich eigentlich, so mit Ende 20, wenn ich als Musiker die ersten Millionen gemacht hatte, dann würde ich mir einen putzigen kleinen Bauernhof in Südfrankreich irgendwie bei Cahors kaufen, jeden Morgen erst mal 30 bis 50 km auf dem Rennrad oder Mountain Bike oder Gravel Bike abreißen und dann ins Studio gehen, um Musik zu machen. Am Mischpult, am Bass, an der Gitarre und am Mikrofon. Nun, wie schon oben angedeutet, 1993 habe ich in Cahors die ersten Angebote für Bauernhöfe beim Makler studiert, aber bislang hat es mit dem Geld nicht so geklappt wie geplant.

Also ist es Zeit, über Alternativen nachzudenken. Das tue ich schon länger, gefühlt seit mehr als 50 Jahren. Eine Möglichkeit ist in den letzten Wochen hinzu gekommen. Ausschlaggebend war die Überlegung, dass ich mit dem Ende des Lebens als Melkkuh der Nation (Arbeitnehmer / Steuerzahler) aus dem angesparten Vermögen der letzten Jahrzehnte zehren kann und als IT-Beschäftigter nicht mehr jeden Tag gefühlt 300 Stunden arbeiten muss – also pro Tag. Nein, nun würde nicht mehr rund 1.000 Euro pro Monat in andere Taschen fließen, nun würde ich selbst einen Betrag jeden Monat bekommen, mit dem man sich in Köln eine Besenkammer zur Miete leisten könnte. Mit diesem Geld kann man aber das Leben fristen, ohne Hunger leisten zu müssen. Mit der privaten Vorsorge bliebe dann genügend übrig, um sich ein paar neue Dinge leisten zu können.

Grafikkarte als neuer Kern der Überlegung

Nun endlich zum neuen Kern der Überlegung! Ich bin kein Gamer, das gebe ich offen zu. Ende der 1990er Jahre habe ich zuletzt Civilization gespielt. Grafikkarten im Rechner spielten also für mich keine Rolle, mit einem Abstecher über einen Rechner als Videorecorder und Schneidestation für DVB-T2 Videos zum Trainieren. Genau das hat sich aber in den letzten 2 Jahren grundlegend geändert. Der Grund heißt KI.

Für das Durchlaufen von Loops bei der Abarbeitung von Prozessen in einem Sprachmodell einer Künstlichen Intelligenz sind Grafikkarten besser geeignet als CPUs. Warum, weiß ich nicht genau, denn diese Teile der Mathematik waren der Grund, warum ich mich in den 1980er Jahren gegen Studiengänge der Mathematik und der Ingenieurwissenschaften entschieden hatte. Mir reicht es zu wissen, dass eine GPU bessere technische Voraussetzungen mitbringt, um mit einem LLM arbeiten zu können als eine CPU. Als Folge dieser Überlegung habe ich nun recherchiert, welche Grafikkarte für das Arbeiten mit einer lokalen KI am Besten wäre. Es purzelten mehrere Rechner im Bereich zwischen 2.000 und 3.000 Euro heraus – zudem mit der Möglichkeit, das LLM in einem Docker Container laufen zu lassen.

Der neue tägliche Ablauf der Arbeit in der Rente

Und damit kommen wir zur Anwenderschicht. Bislang dachte ich, wenn ich in Rente bin, sitze ich morgens auf dem Rad, schlage danach auf dem Jazz Bass herum und schreibe dann garstige Geschichten. Dank KI neu hinzugekommen ist nun eine neue Überlegung: Diese garstigen Geschichten mit dem selbst erzeugten Soundtrack, ohne Keyboard so nach Vorlage von Sarah Lipstate selbst im Keller eingespielt, kann ich nun nicht nur als Podcast online stellen und damit meine karge Rente aufbessern. Nein, nun könnte ich nach dem Schreiben eines 90 bis 120 DIN A4 Seiten langen Drehbuchs noch mal die gefühlt doppelte bis dreifache Menge an Text in den Prompt schreiben und meine lokale KI füttern, um das Drehbuch direkt als Film umzusetzen.

Gesamte Wertschöpfungskette des kreativen Prozesses dank Künstlicher Intelligenz

DAS ist der Kern der Überlegung! Denn Dank Künstlicher Intelligenz habe ich nun die Möglichkeit, die gesamte Wertschöpfungskette des kreativen Prozesses selbst abzubilden! Ich brauche keinen Regisseur, keinen Kameramann, keinen Caterer, keine Requisite, ich schreibe einfach sehr detailliert, was mir mein Sprachmodell liefern soll. Das sind dann nicht drei bis fünf Sätze wie bei der Beschreibung einer Szene Tag / Nacht und Außen / Innen in einem Drehbuch, das ist dann im Prompt die Beschreibung, wie das Wohnzimmer aussieht, wann es in welchem Stil eingerichtet wurde, welche Farbe die Tapete einmal hatte, welche Zigaretten der Mieter geraucht hat, welche Filme auf dem kaputten Fernseher liefen, welchen Wein und welches Bier er gesoffen hat, bevor er von einer Crack rauchenden 14-jährigen Prostituierten mit dem edlen japanischen Messer aufgeschlitzt wurde und wie viele Tage er im Sommer den Fliegen als Nahrung dienen konnte. Aus der Erfahrung der Bilder für die Thomweb aus dem Prompt der letzten Wochen: Wenn die detaillierten Ideen in den Prompt fließen, kommt für ein kleines Bild alleine schon mal eine halbe DIN A4-Seite zusammen.

Ideen in den Prompt für das lokale Sprachmodell

Diese Ideen kann ich nun über den Prompt direkt mit dem Sprachmodell kommunizieren. Durch das lokale LLM, das mich einmal Geld für die Hardware kostet und dann nie wieder, weil der Strom tagsüber (Rente!) von der Photovoltaik vom Dach kommt, kann ich ausprobieren, kann verbessern, kann überdenken, wie ich diese Szene anders gestalten könnte. Vielleicht hat der Mann, der gerade vor sich bin verwest, ja vor seinem ungewollten Ableben noch eine letzte Ejakulation gehabt und ich deute an der Tapete an, dass dort öfter mal Sachen rangespritzt sind, die man eigentlich nicht gerne auf dem Boden oder an der Wand hat… Vielleicht gibt es neben dem toten Mann noch eine Katze, die an dem Mann geknabbert hat und nun sind alle schönen Stücke weg… Vielleicht gibt es Pflanzen, die nun kein Wasser mehr bekommen, oder der Fernseher läuft noch und über den Bildschirm flimmert ein Film mit Isabelle Adjani, vielleicht ist es Camille Claudel, und diese junge Prostituierte hatte eigentlich vor, nach dem Abschluss dieser Karriere in die Bildhauerei zu gehen, weil sie dann genau wusste, wie Männer im Gemächt gebaut sind… All das, was mir beim Schreiben dieser Zeilen in den Sinn meiner eigentlich immer abgedrehten Phantasie kommt, kann ich mit ein paar Ideen in den Prompt innerhalb weniger Minuten in Bilder und Filmsequenzen umsetzen.

Keine Grenzen mehr dank lokaler KI

Und das, ein weiterer Gedanke, ohne das ich an Grenzen stoße. Vor ein paar Stunden habe ich Bilder für meine Gedichte generieren lassen. Einige davon haben mit Tod und Gedanken an Selbstmord zu tun. Und prompt habe ich nach dem Befüllen des Prompts von meinem angemieteten Sprachmodell die Nachricht bekommen, dass es zum einen keine Bilder für einen Suizid anfertige, zum anderen gab es ein paar Adressen von Hotlines, an die ich mich im Falle von Gedanken an Selbstmord wenden könne. Wenn ich nun ein lokales Modell befülle und diesem deutlich sage, dass ich Autor bin und nicht (meist jedenfalls) die bestialischen Morde, die ich beschreibe, begehen will, sondern diese nur ausdenke, so meine Hoffnung, dann könnte dieses Sprachmodell auch die passenden Bilder und Filmszenen dazu liefern.

Soweit also dieser Gedanke. In wenigen Jahren könnte ich die gesamte Wertschöpfungskette von der Idee zu einem Roman, der Ausarbeitung von Charakteren und Handlung, dem Drehbuch und nun auch der Herstellung des Films selbst übernehmen. Ja, selbst die Dialoge sollten gehen: Ich prompte Männer und Frauen, skaliere Tonalität und Stimmung der Sprechenden nach, wenn es nicht ganz das abbildet, was ich im Kopf hatte, kann das Entsetzen des 14 Jahre jungen Mädchens mit den Illusionen von der Existenz als Künstlerin nach dem Straßenstrich und den Schmerz des Mannes, der realisiert, dass diese Ejakulation die letzte seines Lebens war, nachsteuern und habe am Ende eine Todesszene in einer Rückblende, bei der es mir einen Schauer nach dem anderen den Rücken herunter jagt.

Wie die Zukunft real aussehen könnte

Nur wenige Jahre noch. In einem unauffälligen Haus im Norden von Köln kichert ein Mann bedrohlich vor sich hin. Neben ihm läuft der Kühler eines Rechners. Vor ihm ist ein Mädchen auf einem Bildschirm zu sehen, dass voller Entsetzen ein edles japanisches Messer aus dem Bauch eines sterbenden Mannes zieht. Der real existierende Mann vor dem Bildschirm wischt gerade die Reste seines zweiten Frühstücks weg, das auf dem Schreibtisch gelandet war, weil er von der Filmszene, die er selbst erdacht hatte, fasziniert und angewidert zugleich war.

So stelle ich mir die Rente vor.

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