Müller stinkt wieder: Tagesgeschichte von Thomas Berscheid
Das Wichtigste in Kürze
- Der unbemerkte Tod: Der IT-Mitarbeiter Jonas entdeckt im Hochsommer, dass der unauffällige Buchhalter Müller seit Tagen tot an seinem Schreibtisch sitzt – vermutlich an einem Herzinfarkt gestorben, da seine Herztabletten zu Hause liegen.
- Die stinkende Zweckentfremdung: Anstatt die Leiche sofort zu melden, nutzen Jonas und sein Azubi Deniz Müllers PC-Account für eigene Bestellungen und Verträge; den extremen Verwesungsgeruch im Büro versuchen sie dilettantisch mit Fichtennadel-Raumspray zu bekämpfen.
- Die illegale Spritztour: Um eine Zwei-Faktor-Authentifizierung auf Müllers Handy zu bestätigen, durchsuchen sie die Leiche, finden dabei den Schlüssel zu Müllers 400 PS starkem Audi RS3 und liefern sich damit eine einstündige Raser-Spritztour auf der Autobahn.
- Die grausame Entdeckung: Auf der Suche nach dem Smartphone fahren die beiden IT-Mitarbeiter mit dem Sportwagen zu Müllers Haus und entdecken im Keller ein geheimes Verlies, in dem der verstorbene Buchhalter seit Monaten eine junge Frau gefangen hielt, die nun gerettet wird.
Die Kollegen aus der IT machen wieder die ganze Arbeit
Jonas rümpfte die Nase. Es roch wieder streng. Ziemlich streng. Er hatte die Tür zum Flur auf. Es war Sommer, und es war gut, einmal etwas frische Luft zu bekommen. Allerdings gab es mit dem Flur ein Problem. Denn zwei Türen weiter, schräg gegenüber, saß Müller. Ein ruhiger Kollege. Seit mehreren Tagen sehr ruhig. Es war einmal mehr an der Zeit, sich um Müller zu kümmern.
Wie in vielen anderen Fällen auch, waren es die Kollegen aus der IT, die das virtuelle Heft des Handelns in die eigene Hand nehmen mussten. Die anderen trauten sich natürlich nicht. Also zog Jonas die Schublade seines Schreibtischs auf und nahm das Raumspray heraus. „Mit dem Duft nach frischen Fichtennadeln“, stand als Werbeaufdruck auf der Spraydose. Nun ja, wenn es gleich nach Wald riechen würde, könnte dies schon ein gewaltiger Fortschritt sein.
So ging Jonas über den Flur und zog die Tür zu Müllers Büro auf. Eine Kollegin kam vorbei und beschleunigte ihren Schritt ordentlich, hielt sich dabei die Nase zu. Jonas selbst versuchte so flach wie möglich zu atmen, als er zu Müller rüber ging. Dann nahm er die Spraydose und sprühte Müller ins Gesicht, auf das Hemd, auf die Hände.
„Sie sehen aber gar nicht gut aus, Herr Müller“, sagte Jonas und bereute es sogleich, denn der letzte Kaffee wollte ihm sogleich durch den Kopf gehen. Schnellen Schrittes verließ Jonas das Büro des Kollegen Müller, schloss die Tür mit einem Ruck und lehnte sich gegen die Wand.
„Alles in Ordnung?“ fragte eine jüngere Kollegin mit leichter Sorge im Blick.
„Bei mir schon, denke ich“, antwortete Jonas und versuchte, nicht weiter an die Augen in Müllers Gesicht zu denken. Die sahen schon recht eingefallen aus. Denn Müller war seit ein paar Tagen tot.
Ein toter Buchhalter fällt nicht weiter auf
Eigentlich wäre es gar nicht groß aufgefallen, dass Müller tot war. Denn er war Buchhalter, einer von den Brocken, die irgendwo in einer Firma rumhängen und von denen man erst etwas merkt, wenn sie aus dem Fenster springen oder sich mit Benzin übergießen. Kollegen, die einfach da sind, die vielleicht an der Kaffeemaschine stören, aber sonst niemals irgendwo im Betriebsablauf auftauchen.
So war es auch mit Müller. Jonas fiel auf, dass ein Rechner seit mehreren Tagen darauf wartete, dass der User ihn nach einem Update neu startete. Eine der üblichen Meldungen im System. Es gab ja Leute, vor allem im Bereich der Verwaltung, die ihren Rechner die ganze Zeit anließen, auch wenn sie im Urlaub waren. Praktischerweise war das Büro schräg gegenüber, also ging Jonas einfach mal rüber und klopfte an die Tür. Keine Reaktion. Er versuchte es noch einmal, denn vielleicht war der Kollege ja gerade eingeschlafen oder er hatte die erste Hälfte seiner Kornflasche bereits inhaliert. Dann war es manchmal besser, nicht darauf zu warten, dass man von dieser Flasche am Kopf getroffen wurde. Also drückte Jonas vorsichtig die Tür auf.
Müller saß an seinem Schreibtisch. Tatsächlich, der Rechner war an, der Bildschirm gab ein Flackern von sich, denn Müller hatte einen Arm auf der Tastatur liegen. Auf einem anderen Teil dieses Arms lag sein Kopf. Jonas schüttelte den Kopf. „Schöner Job“, dachte er sich, „so wenig zu tun…“ Er ging zu Müller hin, blieb mit einer Armlänge Abstand vor Müller stehen.
Etwas machte Jonas stutzig. Müller hatte eine Position für den Schlaf eingenommen, die so gar nicht bequem aussah, den Oberkörper leicht verdreht, mit einer Hand auf dem Brustkorb, so als drücke er sich gerade auf die Gegend, in der das Herz pocht. Schlafen konnte man so sicherlich nicht.
„Herr Müller?“ fragte Jonas.
Keine Reaktion.
Jonas trat an den Schreibtisch, klopfte Müller leicht auf die Schulter. Die rechte Hand rutschte herab und baumelte unter dem Schreibtisch. Der Kopf drehte sich ein wenig zu Jonas hin.
Der junge Mann erschrak und machte ein paar Schritte nach hinten. Er bekam es mit der Angst zu tun.
„Was zum…“ fragte sich Jonas. „Verdammt, der ist…“
Vorsichtig, ängstlich ging Jonas die wenigen Schritte zu dem Buchhalter. Er fasste Müller an den Kopf. Die Leichenstarre hatte sich offenbar schon wieder gelöst. Die Haut war kalt. Die Augen ein wenig eingefallen. Zudem roch Müller wie eine Bratwurst, die man auf der Terrasse in der Sonne vergessen hatte. Ein paar Tage lang mitten im Sommer.
„Bist du hier?“ hörte Jonas eine Stimme von hinten.
„Bin ich“, antwortete Jonas seinem Auszubildenden Deniz. „Komm mal rein.“
„Was ist denn…“ kam Deniz zum Schreibtisch und sah Müller.
Er schlug sich die Hand vor dem Mund und machte ein Geräusch, als wolle er Rülpsen, jedoch es eher die Ankündigung eines Erbrechens. Nur mühsam konnte der Azubi die gallige Masse wieder herunterschlucken.
„Wie lange ist er denn…“ fragte Deniz seinen Chef.
„Ein paar Tage bestimmt schon“, antwortete Jonas. „Komm, wir müssen das der Personalabteilung melden.“
Zwei Faktor Authentifizierung bei Netflix und der RS3
„Es hilft nichts“, schüttelte Deniz den Kopf. „Wir brauchen das Handy von Müller.“
„Kannst du das nicht alleine…“ antwortete Jonas.
„Chef“, lehnte sich Deniz über den Tisch, „Du wolltest mit dem Account für Copilot auf Müllers Rechnung arbeiten. Du hast auf Müllers Account das neue E-Bike bestellt. Chef, Du hast deinen Netflix Account auf Müllers Account gebucht. Wir brauchen jetzt die Zwei Faktor Authentifizierung mit dem Handy von Müller.“
Jonas atmete tief durch. Nicht nur, weil sein Azubi ihn mit seinen Ideen unter Druck setzte. Sondern auch, weil er wusste, welcher Geruch ihn gleich erwartete.
„Ok“, schob sich Jonas von der Kante seines Schreibtischs weg, „wir machen das zusammen.“
Vor der Tür von Müllers Büro atmeten beide mehrfach tief durch. Erst als der Sauerstoff im Blut ihnen das Hirn vernebeln wollte, gingen sie hinein. Jonas hielt die Druckflasche mit dem Spray vor sich und nebelte ihn ein. Ein ganzer Schlachthof konnte nicht viel anders riechen als dieser Buchhalter. Auf seiner Stirn sammelten sich Fliegen und legten lustig ihre Eier in die Leiche.
Sie mussten schnell machen. Deniz zog sich das T-Shirt über die Nase, um wenigstens ein wenig vor den süßlichen Geruch der Verwesung geschützt zu sein. Er hielt Müller an den Schultern fest. Jonas hockte sich neben den Schreibtischstuhl. Das Mittagessen wollte nach draußen. Er linste kurz in Richtung Papiereimer. Dort vergor der Mageninhalt, den Deniz vorgestern hinein gegöbelt hatte. Jonas zuckte beim Versuch seines Magens, das Essen nach oben zu spülen. Er versuchte sich auf das Jackett von Müller zu konzentrieren. Irgendwo musste der doch dieses blöde Smartphone…
In diesem Moment raschelte ein Gegenstand und fiel auf den Boden. Jonas dachte im ersten Moment, dass sich die ersten Körperteile im Verwesungsprozess von Müller lösten. Dann sah er etwas Schwarzes mit vier Ringen darauf. Er hob den Autoschlüssel auf. Deniz und er blickten sich mit erwartungsvoller Mine an.
„Der RS3“, hauchte Deniz.
Bereit für eine Stunde Spaß in Müllers Wagen
Jonas sah sich um. Er warf einen Blick um sich. Vor sich, direkt gegenüber dem Eingang, standen die Ladesäulen und neben dem Chef waren noch andere Kollegen dabei, die Akkus auf Kosten der Firma vollzumachen. Das Ziel war aber kein Elektroauto. Wo mochte Müller sein Schmuckstück aus Ingolstadt geparkt haben? Der Mann war ein Erbsenzähler, war ein Pedant, es war schon außergewöhnlich, dass er keine Spießerkiste fuhr, sondern eine Kiste für Rich Kids, die sich gerne bei 200 um einen Baum wickelten. Deniz ging durch eine Reihe und blickte sich um, Jonas nahm die nächste Reihe zwischen den parkenden Autos vorbei. Er sah zu Deniz rüber. Der schüttelte mit betrübter Mine den Kopf. Verdammt. Sollte der Wagen vielleicht schon auf dem Weg nach Polen… Er drückte auf den Knopf der Fernbedienung. Es klackte in ein paar Metern Entfernung. Er drückte erneut. Es summte. Noch ein Druck. Öffnen. Jetzt wussten sie, wo der Wagen stand.
Vorsichtig öffnete Jonas die Fahrertür. Müller war ja einer von den Typen, bei denen man nicht wusste, was sie in ihrer Freizeit machten. Falls überhaupt irgendwas. Vielleicht war er ein Perverser mit Sado-Maso-Tick oder hatte Giftschlangen im Keller. Also Vorsicht beim Auto. So eine Python, die seit Tagen nichts gegessen hatte, oder auch ein russischer Killerfrosch als lebende Alarmanlage wären vielleicht das letzte, was sie erleben könnten. Also sahen sie sich um, ob neugierige Augen auf sie gerichtet waren. Sie wussten ja, dass diese Ecke des Parkplatzes nicht von den Überwachungskameras eingesehen werden konnte. Also machte Deniz die Heckklappe auf, lupfte die Abdeckung für das Reserverad, Jonas warf einen Blick auf die Rücksitzbank. Der Wagen schien sauber. Nach einer Woche hatte der Lack etwas Saharastaub abbekommen, aber von innen sah er penibel gepflegt aus. Quasi genauso, wie man sich den Wagen eines Erbsenzählers vorstellen konnte. Jonas steckte den Schlüssel rechts unten neben das Lenkrad. Deniz setzte sich auf den Beifahrersitz. Sie sahen sich an. Deniz nickte erwartungsvoll. Jonas sah auf die Mittelkonsole. DSG Automatikgetriebe. Er drehte den Schlüssel um. Der Fünfzylinder erwachte mit einem Brodeln zum Leben. Eine Urgewalt. Nach ein paar Sekunden verfiel der Motor mit der ungewöhnlichen Zylinderanzahl in einen unruhigen Rhythmus.
„Ein Onkel hatte mal einen alten 100er“, erzählte Deniz. „Aber nur 136 PS.“
„Das sind 400“, sagte Jonas und warf einen Blick auf die Tankanzeige. „Mehr als halbvoll. Das reicht für eine Stunde Spaß. Bereit?“
„Aber sowas von!“ nickte Deniz zurück.
Sie fuhren auf die Autobahn. Nicht irgendeine Autobahn. Jonas steuerte aus Köln heraus Richtung Leverkusen und bog dann ab auf die A524. Ein Stück vierspurige Straße aus der Zeit, als da Geld für Straßen noch in Strömen floss und die Lastwagen mit dem Fernglas suchen musste. Er setzte den Blinker. Müller hatte den Wagen streng serienmäßig gelassen. Das Sportfahrwerk setzte auch so den Grenzbereich an einer Stelle an, die weder Jonas noch Deniz außer einer Flucht vor der Polizei niemals ansteuern würden. Zudem nahm Jonas nun den Fuß vom Gaspedal. An diesem Kreuz war Baustelle. Eine der wenigen Autobahnen in Deutschland, an denen man alleine war. Er brachte den Wagen zum Stillstand.
„400 PS. 500 Newtonmeter. Quattro.“
Dann drückte er das Gaspedal bis zum Bodenblech durch. Was nun passierte, war ein Orkan der Ingenieurskunst. Der Fünfzylinder röhrte auf, atmete frei durch und drehte nach kurzer Zeit fast bis in den roten Bereich. 7.000 Touren. Es quietschte nicht unter ihnen, Allradantrieb und Sperrdifferential sorgten dafür, dass sich die Reifen in den Asphalt verbissen. Ein BMW kam von hinten an und setzte den Blinker links. Keine 4 Sekunden später hatten sie die 100 überschritten. Jonas zog rechts an dem BMW vorbei. 10 weitere Sekunden später hatten sie die 200 hinter sich. Nicht mehr lange, und die Autobahn endete in einem Kreuz, dass niemals eine Erweiterung bekommen hatte.
Eine Stunde später war der Tank nicht einmal mehr halbvoll. Als sie zurück über den Rhein auf die richtige Seite gefahren waren, hatten sie die Plätze getauscht. Deniz hatte auf der A540 an den Tagebauen vorbei festgestellt, dass Müller eine Vmax Aufhebung gekauft hatte. Vor Grevenbroich hatten sie gewendet. Als sie sich Pulheim näherten, begann sich die Sommersonne dem Horizont anzunähern.
„Was machen wir jetzt?“ fragte Deniz. „Wieder zurück in die Firma?“
„Die haben alle Feierabend.“ Jonas dachte nach. „Wo wohnte der Müller eigentlich?“
„Ich glaube hier irgendwo in der Nähe“, dachte Deniz laut nach.
„Wir sind IT“, dachte Jonas ebenfalls laut nach. Er rutschte ein Stück auf Deniz zu. „Wir sollten in der Lage sein, ein Navigationssystem zu bedienen.“
Der Chef der Abteilung drückte auf dem Touchscreen oben auf dem Armaturenbrett herum. Und nach ein paar Augenblicken wussten sie, wo sie hin mussten.
Eine unerwartete Entdeckung in Müllers Haus
Kaum eine Viertelstunde hielten sie mit dem Kompaktsportler vor einem schmucken Haus in einer Wohngegend jenseits des Kölner Stadtrands, in der sie in den 1970er Jahren schicke Häuschen hochgezogen hatten. Sie ließen den Wagen am Straßenrand ausrollen, dort wo das Navigationssystem sagte, dass es zu Hause sei. Sie stiegen beide aus. Es begann zu dämmern.
„Und jetzt?“ fragte Deniz, der die letzten Kilometer gefahren war.
„Ich weiß nicht“, antwortete Jonas. „Sieht komisch aus hier.“
Er sah sich um. Ein schmuckes Haus, vor mehr als einem Jahrhundert gebaut, und von Müller bestimmt sehr gepflegt und instand gehalten. Aber nun stand der Rasen mehr als eine Handbreit hoch, ein Rosenstrauch hatte verblühte Triebe und aus dem Briefkasten sahen Briefe heraus. Es sah nicht danach aus, dass hier noch jemand anders lebte.
„Gruselig“, sagte Deniz und schüttelte sich trotz der sommerlichen Wärme.
„Da ist noch ein Schlüssel dran, oder?“ fragte Jonas. Deniz gab ihm das Schlüsselbund. Ein aus der Mode gekommener Schlüssel, der vom Alter her perfekt zu der Tür passen musste. Jonas sah sich. Das war eines dieser Viertel, bei denen die Nachbarn hinter den Gardinen standen. Er sah niemanden. Aber wer wusste schon, wo es vielleicht versteckte Kameras gab. Egal. Er steckte den Schlüssel in die Tür.
Es roch muffig im Haus. Müller hatte offensichtlich alleine gewohnt. Im Flur lag alles ordentlich, wenn auch mit Staub bedeckt. Neben der Tür lag eine Packung mit Tabletten. Herztabletten. Offenbar hatte Müller diese an seinem letzten Morgen zu Hause vergessen.
Immerhin roch es hier nicht nach Verwesung. Aber nach etwas anderem.
„Riecht komisch, oder?“ fragte Deniz.
Jonas nickte nur. Noch ein Toter? Nein, das war es nicht. Es roch eher wie eine übergelaufene Toilette auf einem Campingplatz. Und es schien aus dem Keller zu kommen.
Sie gingen die Treppe herunter in den Keller. Die Leuchte an der Decke machte Licht, aber es blieb schummrig. Wozu hatten sie beide diese LED in ihren Smartphones? Sie leuchteten die Treppe herunter. Der Keller war nicht ganz so aufgeräumt. Hier standen Teller herum, auf denen Essen vor sich hin schimmelte. Jonas trat gegen mehrere gestapelte Kisten, die laut umfielen.
Nur Sekunden später hörten sie ein Klopfen. Sie erstarrten vor Schreck. Ein Geist? Das Klopfen wiederholte sich. Ja, sie meinte auch eine schwache Stimme zu hören, vielleicht eine junge Frau oder ein Mädchen. Jonas folgte der Spur des Klopfens. Deniz hielt sein Smartphone über ihn, damit er etwas sehen konnte. Erst als sie direkt davor standen, sahen sie die Tür, so heimlich war sie hinter einem Regal versteckt. Deniz leuchtete auf die Türklinke. Unter dieser war eines dieser Schlösser, wie man sie in Toiletten kannte, um von innen verriegeln zu können. Nur das dies hier genau anders herum war. Jonas schloss den Riegel auf, und man konnte seine Angst förmlich riechen.
Was sie dann rochen, war der strenge Geruch der abgemagerten jungen Frau, die Müller hier unten seit Monaten eingeschlossen hatte und die seit einer Woche nichts mehr zu essen hatte. Und die sie aus eingefallenen, aber hoffnungsvollen Augen ansah.