Video und Audio: Die Clickworker - Die Clickworker kehren ins Leben zurück
Auf dieser Seite stellen wir Ihnen das moderne Märchen “Die Clickworker” von Thomas Berscheid vor. Sie können dieses Kapitel “Die Clickworker kehren ins Leben zurück” als Text lesen, als MP3-Datei hören oder als Video verfolgen.
Clickworker: Die Clickworker kehren ins Leben zurück
Music generated by Mubert https://mubert.com/render
Die Clickworker kehren ins Leben zurück
Niemand in dieser Halle sah nun noch aus wie ein Zombie. So als hätten sie den Jungbrunnen gefunden, waren diese aus dem Leben geschiedenen Fleischbrocken nun wieder richtige Menschen, hatten nicht nur in ihr früheres Leben zurück gefunden, sie waren auch wieder guter Laune und fluchten nicht mehr.
An diesem Tag hatte der Meister zu einer Präsentation geladen. Zuerst war es den Kollegen in der IT aufgefallen, dass etwas mit der Webseite passiert. Das Controlling hatte bemerkt, dass die Umsätze des Shops durch die Decke geschossen waren. Und so hatte der Meister versprochen, das Wunder hinter all dem aufzudecken.
Es war schon fortgeschrittener Nachmittag, als der Meister in der Halle des Glaspalastes zur Versammlung gerufen hatte. Und alle kamen: Die IT, das Marketing, die Grafik, die Buchhaltung. Sogar der Art Director, bislang eher durch körperliche Abwesenheit oder das Fehlen eines Hirns aufgefallen, war erschienen.
„Ich will das Geheimnis des Wunders enthüllen“, rief der Meister in die Menge und öffnete die Tür in den geheimen Garten. Die ganze Meute folgte ihm auf den Weg zu den Clickworkern. Sie kamen zur alten Fabrikhalle. Nur starrte diese nun nicht mehr vor Schmutz, sondern in frischem Rot, so als hätten die Maurer gerade ihre Arbeit abgeschlossen. Denn die Clickworker hatten nun endlich Zeit, etwas Sinnvolles zu tun. So hatten sie sich einen Wasserstrahler besorgt, auf ein altes Elektroauto mit Pumpe gepackt und die ganze Front auf den neuesten Stand gebracht. Im inneren war es leicht und licht, denn eine neue Armee von Solarzellen prangte auf dem Dach und füllte einen Batteriespeicher im Keller. Und wo sie schon dabei waren, einen richtigen Loft Charakter herzustellen, hatten sie auch gleich den Garten auf Vordermann gebracht. Damit war die Zeit des Schlammes vorbei.
„Willkommen in der Zone der glücklichen Arbeiter“, breitete der Meister die Arme aus. Die früheren Clickworker applaudierten. Doch nicht nur sie waren begeistert. Marketing, Grafik und sogar die Buchhaltung fielen ein in den Applaus.
Jedoch war es der Art Director, der als Einziger nicht die Hände gegeneinander klatschte. Vielleicht hätte er es tun sollen. Denn der frühere Chef des Content Managements, gegen den der Meister zuerst gestoßen war, erhob nun seine Stimme und zeigte auf den Art Director.
„Dies ist der Mann, dem wir alles zu verdanken haben!“ rief der oberste Content Manager. „Clickworker! Ihr wisst, was ihr zu tun habt!“
Es brauchte nicht mehr, um das weitere Geschehen auszulösen. Der weibliche Zombie, nun wieder diplomierte Grafikerin, in der Freizeit gerne im LARP tätig, schwang ihr Lasso der Wahrheit und traf mit lange trainierter Sicherheit den Brustkorb des Art Directors. Andere Seile schlangen sich um seine Arme.
„Ihr seit doch alle…“ wollte der Art Director brüllen, doch der Content Manager, vom Art Director degradiert und zum Sklaven gemacht, schlang seinen durch Millionen von Mausklicks trainierten Arm um dessen Hals und unterdrückte jegliches Gebrüll. Zusammen schleppten sie ihn in den geheimen Garten zum Schornstein mit der großen Brennkammer ganz unten. Der Vorsitzende des Vorstands sah seine Kollegen an, sah die Freude in den Augen der Angestellten und der Manager, fiel in das rhythmische Klatschen mit ein. Der Content Manager übergoss den Art Director mit Benzin. Die Grafikerin entzündete ein bengalisches Feuer und setzte den Art Director in Brand. So kam es, dass das Böse aus der Firma vertrieben wurde.
Das Märchen ist nun zu Ende
Das Märchen von den Clickworkern ist nun zu Ende. Und wie heißt es sinngemäß am Ende eines jeden Märchens:
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann klicken sie noch heute.
Dies ist ein Märchen. Aber vielleicht werden Träume doch einmal wahr.