Video und Audio: Die Clickworker - Die Geschichte des Meisters
Auf dieser Seite stellen wir Ihnen das moderne Märchen “Die Clickworker” von Thomas Berscheid vor. Sie können dieses Kapitel “Die Geschichte des Meisters” als Text lesen, als MP3-Datei hören oder als Video verfolgen.
Clickworker: Die Geschichte des Meisters
Music generated by Mubert https://mubert.com/render
Die Geschichte des Meisters
Es war einmal vor vielen, vielen Jahren. Nein, eigentlich war es nicht, es ist. Denn was der Meister erlebte, steht vielleicht in alten Büchern geschrieben, die man jüngst bei archäologischen Ausgraben in einer Höhle unterhalb des Vulkans von Maria Laach fand, aber wenn es damals Science Fiction war, so ist es heute doch Alltag. Ähnlich wie wir uns Commander McLane in der Raumpatrouille vorstellen mussten.
Dies ist die Geschichte des Meisters. Ist dies sein richtiger Name? Wahrscheinlich eher nicht. Er könnte jeden beliebigen Namen tragen, aber für uns passt Meister. Vielleicht sogar Webmaster. Denn er hat ein wenig Ahnung vom Programmieren von Webseiten, er hat viele Texte geschrieben und Bilder gemacht, er hat Marketing gemacht und gelesen, wie man das alles richtig macht. Er hat viele Prozesse automatisiert und dafür gesorgt, sinnlose Fließbandarbeiten unnötig zu machen. Viele, viele, viele Projekte hat er bei Google nach oben geschossen, ganz nach oben, bis es nur mit bezahlter Werbung weiterging. Er hatte verbastelte Projekte neu programmiert oder debuggt, so dass das Fehlerlog von 1 Million Fehler am Tag runter kam auf einen einzigen, nämlich dann, wenn der Chef der Agentur oder ein Beamter wieder einen Klick gemacht haben, der das System mit extremster Gewalt auslöschen, zerstören, vernichten sollte. Aber der Meister konnte diese Störer, aus humanen Zellen bestehend, wenn auch vom Nachdenken komplett befreit, in den Griff bekommen. Meist war der Griff so exzellent, dass die Störer danach niemals mehr etwas stören konnten, denn sie atmeten nicht mehr.
So lernte der Meister die dunklen Seiten des Lebens kennen, die dunklen Zellen, die dunklen Flure in den Polizeirevieren. Oft hatte er Tinte an den Fingern, weil er Fingerabdrücke abgeben musste, jedoch war er niemals mehr als ein paar Stunden hinter Gittern und hatte nie vor Gericht gestanden. Die Freude darüber, dass er die Störer ausgeschaltet hatte, war all überall zu groß.