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Der Zug endet hier: Was Durchsage der KVB wirklich bedeutet

Alltagsbetrachtungen am Bahnsteig der Kölner Verkehrsbetriebe

Es ist Zeit, sich um ein paar Alltagsbetrachtungen zu kümmern.

In meinem Bemühen, mich zeitig zu dem Rechner in einem Büro bei meinem Arbeitgeber zu bewegen, steige ich, sofern ich nicht einen Seat durch die Gegend trete, in Köln-Deutz um. Der dortige Tunnel ist ja der erste Kontakt mit jener unzivilisierten Zone, die man Schäl Sick nennt, in der man das Hirn ausschaltet und die Zigarette anzündet.

Doch dies ist nicht das, was mich seit Jahren als Frage umtreibt.

Unter dem Bahnhof enden die Sonderfahrten der KVB, welche schwarz gekleidete Herren und recht leicht bekleidete Damen zur Messe bringen. Aus dem Lautsprecher kommt dann immer diese eine Meldung, welche auch auf der Anzeigetafel zu lesen ist, sofern diese dann überhaupt funktioniert und im seltenen Fall, dass diese auch die Wirklichkeit abbildet, nämlich dieser Satz:

DER ZUG ENDET HIER!

DAS ist also der Anfang der Apokalypse! Das Ende aller Tage steht bevor, und es ist dieser Zug, mit dem alles beginnt! Da steht man also am Bahnsteig, wartet auf das Haus aus Eisen, welches einen in die Stadt des Regens und des Autoverkehrs bringen soll, und neben einem warten schon die muskelbepackten Abdecker in ihren Blaumännern, die mit gierigem Blick darauf warten, ihre Todesphantasien Wirklichkeit werden zu lassen. Kaum ist der Fahrer dem Zug der KVB entstiegen und hat den letzten Müden daraus vertrieben, schon kreischen die Motoren der Trennscheiben und der Flexen, der Kettensägen und der Schwingschleifer. Da setzt der erste der Abdecker seine Flex an. Funken aus zerteiltem Eisen fliegen in Fontänen über den Bahnsteig, entzünden die Strumpfhosen dort wartender Fahrgästinnen, die sich mit lauten Schmerzensschrei in die Freiheit flüchten. Kinder in ihren Wagen verschwinden in den Feuerregen der Trennscheiben, während sich diese tiefer und tiefer in das Metall fressen. Mit einen Schrei aus tiefster verletzter Seele haucht die Bahn ihr letztes Leben aus, während sie in Stücke gerissen wird. Und letztlich sind es dann die Arbeiter, die mit einem sadistischen Grinsen auf ihren früh gealterten Lippen der Bahn den Todesstoß geben, wenn diese sich schon nicht mehr gegen ihren viel zu frühen Tod wehren kann. Bald erinnert nur noch eine gelbe Schrift auf der Anzeigetafel an eine Bahn der Linie 9, die hier in Deutz endete.

Nun, diese von Blut und Schmerz getränkte Phantasie ist nur eine solche. Bislang sind alle diese Bahnen immer weitergefahren, haben gewendet und sind zurückgekehrt auf die zivilisierte Seite des Rheins. Aber vielleicht, eines nicht mehr so fernen Tages im Jahre der Zeitrechnung 2013, oder später, werden sie kommen, werden sie sägen, und dann werdet IHR sagen: Er hat es alles gewusst!!!