Leseprobe aus der Kriminalgeschichte Es sollte ein schöner Ausflug werden
Auf dieser Seite stellen wir Ihnen einen Auszug aus der Kriminalgeschichte “Es sollte ein schöner Ausflug werden” von Thomas Berscheid vor. Sie können einen Teil der Handlung lesen, als MP3-Datei hören oder als Video verfolgen.
Video: Mobbing und Mehrarbeit für Schröder
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Mobbing und Mehrarbeit für Schröder
Nur kurz war Schröder austreten. Zwei, vielleicht drei Minuten, die er nicht am Arbeitsplatz verbracht hatte. Wenige Minuten, in denen niemand von den Kollegen aufgestanden war und vielleicht den Versuch hätte unternehmen können, die Blumen zu gießen.
Doch für das Gießen der Tastatur hatte es ausgereicht. Wie gestern, wie vorgestern, wie jeden Tag der vergangenen Woche hatte ein Kollege den Kaffeebecher von Schröder genommen, dessen Inhalt auf die Tastatur seines Laptops gegossen und den Becher wieder auf den Schreibtisch zurück gestellt. Nun, da Schröder von der Toilette kam, sah er wieder den blauen Bildschirm eines Systemabsturzes vor sich. Er wusste, dass es keinen Sinn hatte, irgendeinen der Kollegen zu fragen, wer das war oder ob man irgendetwas gesehen hatte. Das hatte Schröder alles schon versucht. Natürlich hatte niemand etwas gesehen. Resigniert setzte Schröder sich an den Schreibtisch. Er zog die Schublade seines abgeschlagenen Schubladenkastens auf und nahm eine Rolle Küchenpapier heraus, begann damit, die Tastatur abzutupfen.
Steinbach knallte einen Stapel Aktenordner auf Schröders Schreibtisch.
„Das muss bis heute Abend im System sein“, herrschte der Abteilungsleiter seinen Buchhalter an.
„Das wird nicht gehen“, gab Schröder zurück, ohne den Blick von der schwimmenden Tastatur seines Laptops zu nehmen.
„Was soll das heißen?“ fragte Steinbach. „Das geht nicht?“
Steinbach baute sich breitbeinig vor Schröder auf, die Fäuste in die Hüften seines maßgeschneiderten Anzugs gestemmt.
„Das sehen Sie ja“, sprach Schröder ruhig. „Der Rechner ist wieder platt.“
„Dann rufen Sie bei der IT an und sorgen sie gefälligst dafür, dass Ihr Rechner wieder läuft!“ bellte Steinbach, dass es auch die anderen Kollegen den Flur herunter deutlich hören konnten. „Wenn Sie so unfähig sich, dauernd Ihren Rechner schuldhaft zu beschädigen, dann werden Sie die Stunden nacharbeiten, bis Sie fertig sind!“
Steinbach drehte sich um. Schröder seufzte. Er spürte den Blick der beiden Kollegen, die durch den offenen Spalt seiner Bürotür blickten und ein Lachen nur mühsam unterdrücken konnten.