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KI und der Maler: Beispiel für den Einsatz künstlicher Intelligenz

Das Wichtigste in Kürze:

  • KI ist längst Alltag: Künstliche Intelligenz ist keine Zukunftsvision mehr, sondern bereits fester Bestandteil unseres täglichen Lebens – oft unbemerkt, aber wirkungsvoll, auch außerhalb der IT.
  • Komplexität moderner Projekte: Software‑ und IT‑Projekte gleichen heute Baustellen mit ständig wechselnden Anforderungen. Ohne Unterstützung kosten sie Zeit, Nerven und Geld.
  • KI als Produktivitätsverstärker: Richtig eingesetzt übernimmt KI mühsame Vorarbeiten, Standardaufgaben und Analysen – etwa bei TYPO3‑Upgrades – und schafft ein Umfeld, in dem man sofort produktiv arbeiten kann.
  • Human in the Loop bleibt entscheidend: KI ersetzt keine Expertise. Sie funktioniert nur dann sinnvoll, wenn erfahrene Menschen klare Vorgaben machen und Ergebnisse fachlich bewerten können.
  • Kein Allheilmittel, aber ein großer Hebel: KI ist weder gut noch böse – sie ist ein Werkzeug. Klug eingesetzt spart sie enorme Ressourcen und ermöglicht bessere Ergebnisse.

KI ist keine Zukunftsmusik, sie ist Alltag

Künstliche Intelligenz, vulgo KI oder im englischen AI oder in französischen IA genannt, hat in vielen Teilen unseres Lebens Einzug gehalten. KI ist nicht mehr Zukunftsmusik, sondern sie ist Alltag. Das gilt nicht nur für Personen wie mich, die den ganzen Tag am Rechner sitzen und Webseiten oder Apps bauen, sondern auch für andere Menschen, die über eine Ampel gehen oder eine Pizza bestellen. Auch wenn man es nicht unbedingt jede Minute merkt. 

Aber wie kann man sich heute die Arbeit mit der KI vorstellen? Nun, nehmen wir einmal das Beispiel eines Handwerkers. Bis vor wenigen Jahren war es so, dass man als Maler einen Kunden hatte. Man ist hingefahren, hat den Tapeziertisch ausgepackt, Erfurter Rauhfaser an die Wand geklebt, ist später mit der Rolle mit dem Standard Weiß drüber gegangen und gut war es.

Vergleich Handwerk zu Softwareprojekten

Wenige Jahre später ist der Kunde irgendwo in einer Siedlung, in der man nie zuvor war. Vielleicht findet man das Haus nicht. Wenn es das Haus schon gibt, was nicht unbedingt sicher ist, dann steigt man die Treppe empor. Die Wohnung ist leer. Die Türe abgeschlossen. Niemand da, der einem die Tür aufmachen kann. Man versucht den Kunden über das Handy zu erreichen. Der Kunde liegt auf seiner Yacht vor Nizza in der Sonne und man versteht ihn nicht, weil er gerade den dritten Whisky mit 24 Jahren Lagerzeit gekippt hat. Und so weiter. Wenn man in der Wohnung ist, muss der Boden abgeklebt werden. Vielleicht fällt auf, dass die Steckdosen montiert sind, die Kabel aber nicht in der Wand sind. Dafür liegen auf dem Boden 2.872 Formulare, die man alle ausfüllen muss. Mit Angaben zur Schuhgrüße der Oma des Opas der Großtante an der Zeit zwischen Oktober 1283 und März 1285. Alles dringend notwendige Arbeiten, die noch erledigt werden müssen. Man fährt also in die Firma und beordert Kollegen zur Baustelle. Drei Tage später ist das Haus allerdings nicht mehr in Köln Nippes, sondern bei Coober Pedy in Australien. Auf eigene Kosten fliegt man hin und stellt fest dass das Haus nunmehr 200 Stockwerke hat und in Buenos Aires steht. Außerdem will der Kunde nun geschnitzte Wände aus Tropenholz.

So ungefähr laufen Softwareprojekte. Alle paar Stunden ändern sich Anforderungen. Gut, wenn man dann schnell bei der Sache ist. Die KI kann hier ordentlich unterstützen. Für ein Kundenprojekt prüfe ich gerade die Möglichkeiten, Upgrades in TYPO3 zu automatisieren. Um es auf den Fall des Malers zu übertragen: Wir suchen nicht mehr lange nach dem Haus. Wenn mit unserem Wagen ankommen, steht die Tür bereits offen, und zwar nur für uns, denn zwei freundlich Herren mit schwerem MG auf der Schulter stehen links und rechts der Tür und haben die anderen Billighandwerker, die unseren Auftrag erledigen wollten, bereits eliminiert. Dafür steht der Aufzug bereit. Wir gehen durch die Tür. Die Steckdosen liegen mit dem äußeren Teil demontiert in einer abgedeckten Kiste. Die Kabel liegen in der Wand und sind auf Bruchteile eines Millimeters genau verputzt. Vor uns liegt die Erfurter Raufaser auf dem Tapeziertisch, der Leim ist gemischt und steht bereit, ebenso die Farbe in exakt dem Mischverhältnis, das der Kunde haben wollte.

Vorteil der KI: Zeit, Nerven und Geld sparen

Der Einsatz der KI kann uns von Wochen und Monaten nervenzehrender, unnötiger und kostenintensiver Arbeit befreien. In diesem Fall: Der Kunde hatte keine Ahnung, dass der Installateur von einem Billighandwerker bei der Arbeit erschossen wurde. Die Sicherheitseinstellungen unseres Agenten haben dies verhindert. Die Frage nach der Farbe hat Zusammenstellungen zu Tage gefördert, die wir unseren Lebtag noch nicht gesehen haben. Alle Vorarbeiten, bei denen man Tausende Mal um die Ecke gedacht und alle nur möglichen Fälle bedacht hat, sind abgeschlossen. Der Kunde hat mitgearbeitet, denn er hat Fragen vorgelegt bekommen, die er noch nie gehört hat, und das bevor man zum Farbdealer gegangen ist. Zudem hat der Kunde nicht mehr getrunken und blieb in Nippes. Der KI Agent hat in den nächsten Schritten den Boden abgeklebt, hat die Fenster geöffnet, damit man keine Lösungsmittelvergiftung bekommt, und die Rollladen nach der Wettervorhersage geöffnet, damit der Regen nicht reinkommt und die Farbe trocknet. Das ist das Umfeld, das wir uns mit der KI schaffen können. Direkt an die Arbeit gehen. Und produktiv loslegen.

Der Human in the Loop

Um aber das Beispiel des Malers erneut aufzugreifen: Wir haben es hier mit einem Meister zu tun. Mit einer Person, die den Job von der Pike auf gelernt hat und die nicht erst zwei Tage zuvor zum ersten Mal einen Pinsel in der Hand hatte. In der IT bedeutet dies, dass einem die KI viel Suchen und Forschen abnimmt, ebenso die Fließbandarbeit wie zum Beispiel das Abkleben des Bodens und das Mischen der Farbe. Aber wenn wir der KI nicht sagen können, dass die Farbe zu 97% aus Weiß und der RAL Farbe mit einer bestimmten Nummer zu 3% bestehen soll, wenn wir der KI nicht sagen können, dass wir weder 3 Milliliter noch 3 Kubikmeter, sondern 30 Liter benötigt, dann hat das ganze Drum Herum keinen Wert. Das ist meine Erfahrung aus mittlerweile mehr als einem Jahr Arbeit mit Künstlicher Intelligenz.

KI ist kein Allheilmittel. KI ist auch nicht nur böse. Richtig eingesetzt kann KI verdammt viel Arbeit, Nerven und Geld sparen. Das menschliche Hirn, der Human in the Loop, ist immer notwendig. Dann wird etwas Großes daraus.

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