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8. Kapitel: Wenn die Klientin kotzt

Sam Spade, die DDR und der Müll

In der Nacht ist mehrfach die Klospülung gegangen, denn Sams Klientin hat den Alkohol nicht vertragen und musste mehrfach kotzen. So geht das also im Leben. Sam stellt den Wecker um 9 Uhr aus, geht in die Küche und setzt einen starken Kaffee auf. Kottan kriecht heran, sieht nach der kurzen Nacht geschafft aus. Dabei hat der doch den ganzen Tag nichts getan!

Um 10 ist Sam auf Achse, Richtung Industriegebiet Longerich, auf der Suche nach Kohl Müll. Es dauert eine Viertelstunde, bis er den Betrieb gefunden hat, und stellt den BMW vor dem Verwaltungsgebäude ab. Sieht nobel aus, der Laden, die verdienen ihr Geld bestimmt mit dreckigen Geschäften. Er geht hinein, fragt den Pförtner nach dem Leiter des Betriebs. Bekommt eine Zimmertüre genannt, wird telefonisch angekündigt.

Sam tritt in das Büro des stellvertretenden Chefs ein, Krause steht an der Tür. Zu diesem Zweck hat er sich schick aufgemacht, trägt ein weißes Hemd, Anzug, Krawatte und eine Brille mit Fensterglas. Sein Gegenüber begrüßt ihn, fragt nach dem Grund seines Besuchs.

"Meier ist mein Name, ich bin Rechtsanwalt und vertrete eine Firma der Chemiebranche, die ich namentlich nicht nennen darf. Ihre Firma ist uns von mehreren Seiten empfohlen worden, Herr Krause, wir suchen nach einer Möglichkeit, die Abfallstoffe, die bei unserer Produktion anfallen, zu entsorgen."

"Darf ich fragen, um welche Stoffe es sich dabei handelt?"

"In erster Linie um Abfälle aus der Produktion von anorganischen Substanzen auf Basis von Erdöl. Sie wissen ja, dass der Gesetzgeber in den letzten Monaten strengere Richtlinien für die Abfallbeseitigung erlassen hat."

"Das ist uns bekannt."

"Und Sie wissen auch, wie man solche Richtlinien umgeht, habe ich mir sagen lassen."

"Ich möchte da nicht ins Detail gehen, aber es  gibt Möglichkeiten dazu."

"Das ist gut. Wenn wir in diesem Fall handelseinig werden wollen, wende ich mich da an Sie, oder habe ich da einen anderen Ansprechpartner?"

"Nein, da sind Sie bei mir an der richtigen Adresse."

"Wissen Sie, die Firma, die ich vertrete, möchte dieses Geschäft unter dem Mantel äußerster Diskretion abschließen, Sie verstehen?"

"Aber selbstverständlich."

"Wunderbar, dann können wir ja anfangen, die Details auszuhandeln, die das Geschäft betreffen. Die Abrechnungen für die Transporte, gehen die über die Adresse Ihrer Firma oder über eine andere Adresse?"

"Wir haben eine Tochterfirma, die solchen delikaten Geschäfte abwickelt, pro forma, versteht sich."

"Deren Geschäftsführer Sie aber auch sind?"

"Nicht ich, Herr Kohl."

"Wer stellt die Fahrzeuge, haben Sie den Fuhrpark, oder stellen wir den zur Verfügung?"

"Da machen Sie sich keine Sorgen, wir verfügen über die geeigneten Fahrzeuge."

"Der nächste Punkt. Wer erstellt die Frachtpapiere?"

"Das machen wir."

"Habe ich Sie also richtig verstanden, von dem Zeitpunkt an, da die Fahrzeuge unseren Firmenhof verlassen, übernehmen Sie die Verantwortung für alles, was dann passiert?"

"Genau so ist es."

"Gut. Das reicht für heute, ich werde jetzt mit der Firma, die ich vertrete, in Kontakt treten, und ich denke, dass wir uns handelseinig werden. Haben Sie vielleicht noch einen Außendienstmitarbeiter, der uns aufsuchen könnte?"

"Aber sicher. Ich kann Ihnen hier die Nummern unserer beiden Kollegen geben, mit denen Sie in Kontakt treten können."

***

Krause geht zu seinem Schreibtisch und schreibt zwei Nummern auf einen Notizzettel, gibt ihn Sam. Der reicht dem Mann eine Visitenkarte, die zwar falsch ist, ihren Zweck aber immer wieder erfüllt.

"Ich habe da noch eine etwas pikante Frage... falls es Schwierigkeiten mit Kontrolleuren oder der Polizei geben sollte, an wen kann ich mich bei Ihnen wenden, um diese Probleme zu beseitigen?"

"Da sind meine beiden Kollegen die richtigen Ansprechpartner, die kümmern sich darum."

"Vielen Dank, Sie haben mir weitergeholfen."

***

Das war das letzte Wort, Sam verabschiedet sich. Geht hinunter zu seinem BMW und steigt ein, sieht sich den Zettel an. Das sind die beiden Typen, die für die Toten der letzten Tage verantwortlich sind? Er fährt los, hält 100 Meter weiter nach der ersten Ecke in einer Parklücke an, nimmt den Hörer des Autotelefons zur Hand und ruft Hammer an.

Wie erwartet, befindet sich dieser in der Gegenwart seines Klienten, und ist erstaunt über die Namen der beiden Männer, Ronneger und Wrenz, denn er kennt diese beiden aus einem anderen Fall als Köpfe einer Bande, die mehrere Morde auf dem Gewissen hat, denen man jedoch kein Vergehen nachweisen konnte, so dass sie schnell wieder auf freiem Fuß waren. Jetzt haben sie also einen neuen Weg entdeckt, an Geld zu kommen. Jetzt sind beide schlauer, haben eine Spur, der sie nachgehen können. Befriedigt fährt Sam zu seiner Dienstwohnung nach Ehrenfeld.

In dieser herrscht heller Aufruhr, denn der Lover von Sams Klientin weigert sich, länger in der Wohnung zu bleiben, will zurück in seine eigene Wohnung. Sam macht ihm klar, dass ihn dort wahrscheinlich ein Mordkommando erwartet, doch der Junge hat zu viel Angst, um klar denken zu können. Alles reden mit Engelszungen hilft nicht, er will gehen. Schließlich bringt Sam ihn vor die Tür, dort geht der Lover die Straße zur nächsten Bahnstation und entschwindet dort seinen Blicken.

Jetzt sind sie zu dritt, und die beiden Detektive erwarten, bis zum Abend dem Lover als Leiche zu begegnen. Um die Frau in der Wohnung nicht noch mehr zu belasten, reden sie nur in ihrer Abwesenheit darüber. Schließlich greift Sam in die Kühltruhe und holt ein paar Tiefkühlgerichte heraus, damit sie zu Mittag essen können.

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