Suche Blog Impressum Datenschutzerklärung

Video und Audio: Die Clickworker - Der Meister fühlt sich tot und erschafft neues Leben

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen das moderne Märchen “Die Clickworker” von Thomas Berscheid vor. Sie können dieses Kapitel “Der Meister fühlt sich tot und erschafft neues Leben” als Text lesen, als MP3-Datei hören oder als Video verfolgen.

Clickworker: Der Meister fühlt sich tot und erschafft neues Leben

Video zum Hören: Der Meister fühlt sich tot und erschafft neues Leben
Audio MP3 zum Hören: Der Meister fühlt sich tot und erschafft neues Leben

Music generated by Mubert https://mubert.com/render

Der Meister fühlt sich tot und erschafft neues Leben

Der Meister fühlte sich tot. Nicht halb tot. Sondern richtig tot. Und das hatte seinen Grund. Es waren nicht die Zombies, die sein Gehirn auf der Suche nach etwas Essbarem entdeckt hatten. Vielmehr war es die Arbeit, die sein Hirn aufgefressen hatte. Denn er hatte die Datenbank erweitert, hatte neue Tabellen für Texte und Buttons angelegt, Masken zur Eingabe im Internet erstellt und Schnittstellen geschrieben, um so etwas wie Buttons automatisch zu füllen. Mit dem ganzen Projekt auf dem Rechner hatte er sich in den dunklen Abenden des Herbstes in den geheimen Garten geschlichen und dort mit der Arbeitsgruppe zusammen gesessen. Und so war eine Gruppe nach der anderen arbeitslos geworden. Der Mann, der den ganzen Tag nur Buttons in unendlich vielen Seiten mit dem immer gleichen Text füllen musste, konnte nun einmal das Zielelement mit dem Text aus der Datenbank verbinden und schwupps waren Tausende von Buttons wie neu. Er war einer der ersten, die in den geheimen Garten gingen, etwas Farbe auf die Haut bekamen, ein frisches T-Shirt anzogen und ihren Rechner nutzten, um wieder ordentliches Marketing zu machen. So hatte der Meister nicht nur ein neues Projekt im Internet erschaffen, er hatte auch tot geglaubtes Leben zu neuem erweckt. Ja, der Meister entdeckte sogar verloren geglaubte Mitarbeiter aus der IT und mehrere Kolleginnen aus der Grafikabteilung, die man seit Monaten nicht mehr gesehen hatte. Plötzlich erschienen die Produkte der Firma frisch wie im Frühling, auf den man noch einige Wochen warten musste. Und mit wachsender Wut erkannte der Meister die Rolle des Art Directors, der diese armen vom Geiste beseelten Geschöpfe als Clickworker zu seinen persönlichen Sklaven gemacht hatte. 

Dann war es soweit, dass auch der letzte Clickworker seine Arbeit einstellen und zusehen konnte, wie seine Bilder nun automatisch ins System gespielt wurden. Nun konnte er sich sich endlich dem Schreiben von Agenten für KI widmen, um den Chat zum Kundensupport auf die Webseite zu bekommen. Der Meister hatte Menschen kennengelernt, von denen er aus früheren Ständen seiner Projekte gehört hatte, aber niemals hatte er diese Menschen getroffen. Sie waren in der Hölle der Clickworker gelandet.