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Video und Audio: Die Clickworker - Ein neues Leben in einer neuen Firma

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen das moderne Märchen “Die Clickworker” von Thomas Berscheid vor. Sie können dieses Kapitel "Ein neues Leben in einer neuen Firma" als Text lesen, als MP3-Datei hören oder als Video verfolgen.

Clickworker: Ein neues Leben in einer neuen Firma

Video zum Hören: Ein neues Leben in einer neuen Firma
Audio MP3 zum Hören: Ein neues Leben in einer neuen Firma

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Ein neues Leben in einer neuen Firma

Nun wollte der Meister seinem Leben einen neuen Schub geben und fing in einer Firma neu an. Hui, war diese Firma groß! Der Meister erschauderte, als er durch das große Tor an der Straße ging, durch den kleinen gepflegten Park bis zu dem verglasten Eingang, der ihn in sein neues Reich führte. Automatisch öffnete sich eine Tür vor ihm, die so dickes Glas hatte, dass sie bestimmt auch dem Beschuss eines russischen Kampfpanzers standgehalten hätte. So hatte der Meister den Weg in sein neues Büro gefunden. Nette Kolleginnen und Kollegen hatten ihn empfangen, hatten ihm freundlich zugelächelt und ihm die neue Welt seiner Arbeit gezeigt. 

Und es wartete eine Menge Arbeit auf den Meister. Viele Knappen, viele Knechte und viele Dilettanten waren vor ihm an den Sourcen gewesen und hatten die Webseite zu einem Sammelsurium an Programmierung, Marketing, Suchmaschinenoptimierung, Gedanken, Emotionen, Schrott und Fehlern gemacht. Der Meister krempelte die Ärmel auf. In den ersten Wochen überzeugte er das Management, dass dringender Handlungsbedarf bestand. Sie lachten ihn aus. Der Leiter der Buchhaltung am meisten. Dann stieg der oberste Buchhalter in seinen SUV mit 640 PS. Der Meister hatte am Abend zuvor eine Sicherheitslücke in der autonomen Funktion des SUV gefunden. Der Leiter der Buchhaltung endete mit 172 Stundenkilometern an einem sehr stabilen Brückenpfeiler der Autobahn. Als nächste lachte die Leiterin des Marketing. Sie brachte es auf 194 Stundenkilometer, bevor sie zwischen Spritzwand und Heckklappe ihres SUV am Brückenpfeiler zerquetscht wurde. Den Vogel schoss jedoch der Leiter des Legal Department ab. In seinem Sportwagen mit der gleichen Software brachte er es auf 203 Stundenkilometer, mit denen er den Brückenpfeiler traf. 

Nun war der Weg frei für den Meister. Er sammelte ein paar Leute um sich, die wussten, was sie da auf den Server programmierten. Nach ein paar Wochen hatten sie die Webseite des Unternehmens aus der Zeit der ersten Amöben ins Sternenzeitalter gehoben. Das Fehlerlog füllte sich nur sehr langsam, dann das System lief stabil und alle Störer waren auf ewig ausgeschaltet. 

Nur einer dieser Störer war nicht für den Meister greifbar. Es war der Art Director. Dieser sollte ein Mann sein. Aber wo war er? Immer auf Reisen? Oder ständig im Home Office? Auf jeden Fall musste dieser Mann eine unheimliche Macht haben. Er bestimmte aus dem Hintergrund, welche Person welcher Arbeit nachging. Ja, und er hatte bestimmt, dass alle Personen, die im Glaspalast arbeiteten, niemals hinter das Gebäude gingen. Dort, so hatten es ihm Kolleginnen in einer dunklen Stunde während eines Upgrades zugeraunt, sollte es einen dunklen Kamin geben, in dem eine Kollegin aus der Grafik einmal geendet war, als sie mit ihrem Lasso für ihre LARP Gruppe trainierte. Der Meister war neugierig und fragte weiter. Aber entweder wusste niemand etwas Genaues oder sie hatten alle Angst. Der Art Director blieb ein Phantom des Bösen.