Suche Blog Impressum Datenschutzerklärung

Video und Audio: Die Clickworker - Der Meister entdeckt den geheimen Garten

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen das moderne Märchen “Die Clickworker” von Thomas Berscheid vor. Sie können dieses Kapitel “Der Meister entdeckt den geheimen Garten” als Text lesen, als MP3-Datei hören oder als Video verfolgen.

Clickworker: Der Meister entdeckt den geheimen Garten

Video zum Hören: Der Meister entdeckt den geheimen Garten
Audio MP3 zum Hören: Der Meister entdeckt den geheimen Garten

Music generated by Mubert https://mubert.com/render

Der Meister entdeckt den geheimen Garten

Nun begab es sich aber, dass der Webmaster sich Gedanken zu machen begann. Er hatte vieles in dieser Firma kennen gelernt, er hatte den Glaspalast von oben bis unten und von links nach rechts durchstreift. Und er hatte wieder Zeit dazu, sich um andere Dinge als um den Relaunch der Seite zu kümmern. Außerdem wurmte es ihn, denn er wusste nicht alles. Die Webseite kannte er in- und auswendig. Aber woher kamen die Daten? Wer schrieb die Texte? Wer setzte die Bilder und die Videos rein, die er mit seinen automatischen Tools auf SEO überprüfte? Er wusste es nicht. Die Content Abteilung war eine Black Box. Und so oft er auch den Glaspalast durchstreifte, niemals stieß er auf eine Person, die ihm sagen konnte, wer den Text schrieb oder wer das Bild machte. Wenn er auf den Art Director zu sprechen kam, der dies doch sicher wissen musste, verstummten immer alle Personen. Der Meister vermutete, dass es eine Künstliche Intelligenz sein könnte, die Inhalte lieferte, aber er kannte die Firma nun ein paar Monate und er war recht sicher, dass das Management das Wort KI noch nie gehört hatte. 

So dachte der Meister also nach. Es war die Zeit des Sommers, im Glaspalast standen einige Fenster und ein paar Türen offen und der Meister strich wieder durch das Gebäude, auf der Suche nach einer Eingebung, wie er mit einer API die Anbindung eines neuen KI Agenten die Werbung für das Unternehmen im Internet verbessern konnte. Da sah er die offene Tür in den Hinterhof. 

Bevor der Meister die ersten Gespräche zur Anbahnung eines neuen Jobs in der Firma geführt hatte, war er im Internet unterwegs und hatte sich die Lage der Firma angesehen. Dort hatte er den Parkplatz gesehen und den Glaspalast. Aber das war nur ein kleiner Teil der Firma. Hinter dem Glaspalast war ein großer, großer Hof. Eine kleine grüne Hölle, ein dunkler Teil der Firma, wie es schien. Aus dem Glaspalast war kaum zu sehen, was sich dort befand, ja, man konnte es eher erahnen, denn alles lag unter dicken Ästen und hinter dicken Mauern versteckt. So wie im Schlaf des Dornröschen. Und nun, da diese Tür zum ersten Mal offen stand, betrat der Meister diesen geheimen Garten. 

Mit einem Mal war alles anders. Die Welt im kleinen Garten vor dem Glaspalast war anregend. Im Glaspalast selber war sie aufgeregt, aufgeputscht, kreativ. Hier aber, in diesem wilden, geheimen Garten, war sie erdrückend, bleischwer, negativ. Der Meister hatte den Eindruck, als überfiele ihn eine bleierne Müdigkeit, als würden alle Glieder gelähmt. Ja, er glaubte alle Lust am Leben zu verlieren, so als würde er sich dem eigenen Tod, der lange auf ihn gewartet hätte, nähern. Eine Stimme in seinem Inneren, die Stimme der Vernunft und des Willens zum Überleben, sagte mit ebenso leiser wie eindrücklicher Stimme, dass er verdammt noch mal seinen Arsch packen, umdrehen und wieder in den Glaspalast zurückgehen sollte. Aber da war noch diese andere Stimme, die Offenbarung der grenzenloser Neugier und der unendliche Wunsch, einem Fehler auf den Grund zu gehen, was ihn auch jeden Tag bei der Programmierung antrieb. Und wie auch sonst immer gewann diese Stimme die Oberhand, schlug der Vernunft in die Fresse und brachte sie zumindest für die nächsten Minuten zum Schweigen. 

So ging der Meister weiter in den geheimen Garten hinter dem Glaspalast hinein. Die positive Ausstrahlung des Glaspalastes schwand mit jedem Schritt. Eine akustische Grundstimmung schlug sich in die Ohren des Meisters. Ein Gemurmel. Ein Geräusch, das ihm fast so vorkam wie die durcheinander schallenden Stimmen von Menschen. Doch es schienen keine Stimmen von Menschen zu sein, eher waren es Maschinen. Oder Roboter, die einer Depression nahe waren. Der Meister ging weiter.