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10. Kapitel: Ein neuer Rekord

Sam Spade, die DDR und der Müll

Parsons ist aufgedreht. Wegen Sam hat er die letzten 3 Nächte kaum Schlaf bekommen, dafür Ärger mit seinen Vorgesetzten gehabt. Bisher 4 Tote in einem Fall, das ist nicht nur für Sam neuer Rekord. Aber beide müssen einsehen, dass es keinen Sinn hat, alleine vor sich hin zu wurschteln, sie müssen zusammenarbeiten. Sam ist an einem Punkt angelegt, an dem er mit seiner Arbeit und seinen Methoden nicht mehr weiterkommt. Er braucht die Hilfe staatlicher Organe. Jetzt hat er den Inspektor am Telefon und verhandelt mit ihm über eine Zusammenarbeit.

"Ich weiß, dass ich Ihnen 'ne Menge Ärger gemacht habe, Parsons, aber dafür habe ich Ihnen heute Morgen auch zwei von den Killern ans Messer geliefert."

"Und mein Ansehen beim Polizeipräsident ordentlich in den Dreck gezogen."

"Sie können sich 'rausreden. Man hat ja nicht versucht, SIE umzubringen, sondern MICH."

"Das wird meinen Vorgesetzten egal sein."

"Da scheiß' ich drauf. Wir kommen beide nicht weiter."

"Und? Was wollen Sie jetzt?"

"Mit Ihnen zusammenarbeiten. Uns wird nicht mehr viel anderes übrigbleiben, als das zu tun, wenn wir diese Bande von Müllschiebern auffliegen lassen wollen."

"Warum sollte ich mit Ihnen zusammenarbeiten wollen? Können Sie mir das erklären, Spade?"

"Weil ich mehr über diese Typen weiß als Sie, Parsons. Weil ich mit Methoden arbeiten kann, die Sie nicht anwenden können. Und weil Mike Hammer inzwischen auch mir drin hängt."

"Was?"

"Hammer. Mike Hammer."

"Wieso das denn?"

"Einer der Manager der Chemiefirma hat ihn engagiert."

"Seit wann wissen Sie das?"

"Seit gestern."

"Deshalb also, das hat er mir gestern verschwiegen."

"Wir hätten uns um ein Haar gegenseitig aus dem Leben geblasen."

"Verdammt. Das wär' gut gewesen."

"Also, Parsons, was ist jetzt los, klappt das mit der Zusammenarbeit?"

"Was verlangen Sie von mir, Spade?"

"Das sie mich nicht mehr beschatten und versuchen, mich beim kleinsten Vergehen einzubuchten."

"Scheiße. Ich tät's gern, aber... Na gut, Sie haben mir heute morgen 2 Killer geliefert. Okay, Sam, wann sagen Sie mir, was Sie wissen?"

"Es ist jetzt 9 Uhr. Wir können uns um 10 treffen, im Volksgarten, an der Kneipe. In Ordnung?"

"Ja, ich komme."

In Ordnung. Sam legt auf, stellt den Apparat im Flur unter die Garderobe und geht in die Küche. Kottan sitzt am Tisch, die Frau des Hauses steht gerade unter der Dusche. Sie ist fertig, kommt an den Tisch und gießt sich eine Tasse Kaffee ein. Ohne viel miteinander zu reden, nehmen sie ihr Frühstück ein. Schließlich nimmt Sam seine Jacke und geht zum Auto.

Kein Bulle hier. Wenn Parsons gewollt hätte, wäre es ohne weiteres möglich gewesen, festzustellen, woher der Anruf kam, und einen Kollegen zu der Adresse zu schicken. Aber Sam ist alleine. 10 Minuten später parkt er den Wagen an einer Straße, die am Volksgarten entlangführt, und geht in ihn hinein. Parsons muss sehr neugierig sein, er sieht Sam von weitem kommen und geht auf ihn zu.

Während sie durch den Park spazieren, erzählt Sam, wie weit seine Nachforschungen in der Zwischenzeit gediehen sind. Problem: Er kann zwar die beiden Killer fassen, aber an den Chef der Firma kommt er nicht heran, eben sowenig an die Dealer in Polen. Dafür kann er verdeckte Nachforschungen innerhalb der Firmen anstellen, die für Parsons nur schwierig zu machen sind. Also kommen sie am Ende ihrer Unterhaltung überein, in diesem Fall zu kooperieren.

Ein gutes Ergebnis der Unterredung, Sam ist damit zufrieden, als er den Hörer seines Autotelefons in die Hand nimmt. Hammer ist nicht bei seinem Klienten, dafür aber im Büro. Sam teilt ihm mit, dass ihnen von der Polizei jetzt keine Gefahr mehr drohe, ebenso, dass er zwei Killer dingfest machen konnte. Einen haben sie ja schon gemeinsam umgelegt, wer weiß, wie viele da noch 'rumlaufen. Na ja, die werden jetzt vorsichtiger sein, bevor sie noch mehr Leute verlieren.

Sam fährt zur Wohnung nach Ehrenfeld. Wenn sie jetzt nicht mehr beschattet werden, kann er endlich wieder sein Büro und seine richtige Wohnung benutzen. Oh Mann, die haben die Bullen ja auch durchsucht! Na, das Büro wird Carmen schon wieder gerichtet haben, er wird früh genug im Chaos stecken. Jetzt nicht dran denken.

Es geht auf Mittag zu, als sie gepackt haben, und zu dritt fahren sie zu Sams Büro. Vielleicht hätte er sich in den letzten Tagen bei seiner Mitarbeiterin melden sollen, geht es ihm durch den Kopf, als er den Hörer auflegt, nachdem er sie angerufen hat. Kottan pilotiert den Wagen, Sonja macht sich auf dem Rücksitz breit, zieht ihren Lippenstift nach, als Sam in den Rückspiegel sieht.

Im Büro sind sie nicht alleine, Carmen hält seit 2 Tagen alleine die Stellung. Nein, hier war kein Killer, sie lebt noch, sie kann sich mit ihrer Ausbildung im Nahkampf und an diversen Waffen allerdings auch gut wehren. Es hat auch wegen der Klientin kein Mensch angerufen. Merkwürdig. Aber die Detektive wollen sich damit nicht belasten, gehen in ihr gemeinsames Büro. Wie gehen wir jetzt weiter vor? Drei der Killer sind ausgeschaltet, mindestens einer läuft noch frei herum, nämlich Ronnegger, den Sam gestern Abend verfolgt hat. Um den kümmert sich seit heute morgen die Polizei, Sam hat Parsons Name, Personenbeschreibung und Adresse des Mannes gegeben. Mit den Firmen Kohl und Meier hat er im Moment nichts zu tun, in der Richtung wird Sam weiterarbeiten, so lange die sich nicht rühren und der Polizei einen Vorwand zum Eingreifen liefern.

Hammer ruft an, wie verabredet. Auch bei ihm gibt es nichts Neues. Dafür machen Sam und er aus, morgen die Firma aufzusuchen, bei der die Chemiemanager beschäftigt sind, und dort die Verbindungen zu der Figur des Herrn Meier aufzudecken. Und weiter? Parsons Leute sind unterwegs, um den letzten noch verbliebenen Killer in Gewahrsam zu nehmen.

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