Utrecht – ein Blick von außen nach innen

Reisen bildet. Sagt der Volksmund. Stimmt auch. Dieses Mal haben wir uns rund um meinen Geburtstag eine Reise nach Utrecht gegönnt. Im vergangenen Jahr haben wir uns die Wartezeit auf der Rückreise von Rotterdam mit einem Kaffee an einer Gracht verkürzt, nun sind 3 Tage daraus geworden.

Den Killermodus abschalten

Domturm in Utrecht

Domturm in Utrecht

Und dieses Mal fand die Anreise per Auto statt. Wie schon vor ein paar Jahren in Frankreich: kaum überfährt man die Grenze und verlässt Deutschland, schon entspannt sich der Hintern, man rutscht eine Handbreit nach vorne, lehnt den Ellbogen lässig auf die Türkante und nimmt eine entspannte Haltung ein. Da wird Autofahren zu einer Tätigkeit und nicht zu einer Kriegshandlung, bei der der einzige Sinn darin besteht, die Millionen Todfeinde in den anderen Autos auszulöschen, zu vernichten, mit Wasserstoffbomben aus dem Universum zu bomben, mit Granaten einzudecken, mit dem MG die Gedärme aus den Anderen zu schießen und die Feinde für alle Zeiten auszuschalten.

Hirn und Füße arbeiten
Im Hotel stellte ich dann fest, dass aus der Zeit am Niederrhein vergrabene Brocken holländischer Sprache innerhalb eines halben Tages wiederhergestellt werden können. Unser Hirn ist schon eine wunderbare Sache.
Wir sind drei Tage durch Utrecht gelaufen. Das ist wörtlich zu nehmen. Dieser Urlaub endete, wie für mich ein Urlaub enden muss: Mit brennenden Füßen, leeren Oberschenkeln, einem befreiten Hirn und Augen, die nicht mehr brennen, weil sie reales Leben und keinen Bildschirm vor sich hatten.

Strom!
Und so nahm ich neugierig wie sonst auch immer die Eindrücke aus Utrecht auf. Unser Hotel lag ein wenig außerhalb der Stadt. Auf dem Parkplatz gab es Ladesäulen für Elektroautos. Dort sah ich den ersten Chevrolet Volt meines Lebens in natura! Später standen dann auch ein paar Golfs an den Säulen, mit aufgeklapptem VW-Enblem und Stecker drin vorne.
Auf dem Weg in die Innenstadt dann der erste reale Tesla meines Lebens! Ist schon eine schnittige Kiste, und der Test stimmt, er hat einen Riesenbildschirm in der Mitte. Natürlich hatte auch der Tesla einen Stecker an der Seite drin. Und es gibt eine ganze Menge an elektrisch betriebenen Rollern.

Alte und Neue Gracht
Utrecht ist ja laut Geschichtsschreibung 2 (Ärger!!!!) Jahre älter als Köln. Man sieht aber vor allem das späte Mittelalter in der Stadt. Sehr schön dabei auch eine Rundfahrt durch die Alte Gracht, die immerhin und 700 Jahre alt ist, wohingegen die Neue Gracht immerhin auch schon rund 600 Jahre auf dem Buckel hat. So eine Fahrt auf dem Wasser entschleunigt das Leben schon ordentlich.
Was mir noch beim Gehen durch die Stadt aufgefallen ist: Es gibt jede Menge Makler. Die Preise für Häuser und Wohnungen sind nicht viel anders als die in Deutschland. Diese Massierung von Maklerbüros erinnert mich famos an den Aufenthalt in Spanien, wo gefühlt in jedem vierten Ladenlokal ein Makler versuchte, die leer stehenden Neubauten aus der Zeit vor der Krise zu verkaufen.

Die Preise. Die Preise!!!
Überhaupt: Die Preise! Es braucht einen Blick von außen, um zu sehen, dass es uns in Deutschland in vielen Belangen ziemlich gut geht. Ich war vor 8 Jahren in einem französischen Supermarkt in einer Kleinstadt einkaufen. Das Preisniveau lag gefühlt bei dem doppelten des deutschen. In Utrecht und Rotterdam war es im Supermarkt nicht viel anders. Und auch der Diesel ist in Deutschland mittlerweile mehr als 10 Cent je Liter billiger.
In diesen Tagen habe ich mich gefragt: Woher kommt eigentlich der Ruf der Niederlande als billiges Einkaufsland? Nun, für Kaffee in Venlo oder Kleidung in Roermond mag das stimmen. Aber was ein Restaurant in den Niederlanden kostet… Wie schon in Rotterdam sind wir zur Selbstversorgung übergegangen. Der Salat in einem Restaurant neben unserem Hotel war zwar sehr lecker und das Weizen vom Fass ein Gedicht, aber für den Preis bekommt man eine georgische Großfamilie außerhalb von Tbilissi satt bis zum Abwinken. Mit allen Verwandten.

Zurück in den Killermodus
Auf der Rückfahrt kam dann an der Grenze der Kickdown. Es braucht nur ein paar Sekunden, und man ist wieder im Killermodus.